Vom Mayday-Projekt zum eigenen DevCamp-Track – so entstehen Themenschwerpunkte bei Mayflower

Steffen und Katrin beschäftigen sich schon länger mit den Themen UX/UI; nicht nur, aber oft während eines Maydays, unsere zweiwöchentlich stattfindende Slacktime. Dort, wie auch auf firmeninternen Barcamps, probieren sie mit Kollegen Methoden wie User Story Mapping oder Empathy Maps aus; Dinge, die inzwischen auch Einzug in Kundenprojekte gefunden haben. Was sich sonst noch alles im Laufe der Zeit aus „lass uns gemeinsam Wissen aneignen“ ergeben hat und warum es manchmal gar nicht so schlecht ist, wenn der Nutzer betrunken ist, erfährst du im Interview.

UX/UI bei Mayflower

Seit wann beschäftigt ihr euch mit den Themen UX/UI und warum? Was fasziniert euch daran?

Katrin: Schon ziemlich lange, auch schon bei früheren Arbeitgebern. Bei Mayflower hat es dann so richtig Fahrt aufgenommen, nachdem wir beide, Steffen und ich, festgestellt haben, dass es Bock macht, gemeinsam daran zu arbeiten. Man stolpert im (Projekt)alltag so oft über Dinge, bei denen es offensichtlich ist, dass zu wenig nachgedacht wurde.

Konkret, wie sieht das aus, was habt ihr schon gemacht? Gerade auf Maydays habt ihr ja längere Zeit am Stück, euch mit Themen zu beschäftigen.

Steffen: Die erste größere Sache war ein Prototyping-Workshop, der ging über vier Wochen. Das war ein Selbstlernkurs. Es gab noch andere Themen, die aufgepoppt sind, etwa Customer Journey […]

Katrin: […] 2017 waren wir dann auf dem UX Camp Europe in Berlin. Ich nahm von dort die Customer Journey mit, für dich, Steffen, war es „Jobs-to-be-done“.

Was ziemlich groß geworden ist, mit den wir nicht gerechnet hatten, ist „The User is drunk“

Was ziemlich groß geworden ist, mit den wir nicht gerechnet hatten, ist „The User is drunk“. Wir haben es erst auf dem Mayflower-internen Barcamp ausprobiert, dann auf einem Meetup und danach auf dem PO Camp 2017 in Frankfurt bzw. dem Developer Camp in Würzburg. Eigentlich war es als Abendunterhaltung gedacht, inzwischen kommen viele gute Ergebnisse heraus.

Zum Beispiel?

Katrin: Wenn du bei Amazon die Seite bedienst, ohne die Suche zu benutzen, ist das fast unmöglich. Wir haben Amazon nachstellbar kaputt bekommen, weil die Leute versucht haben, die Navigation zu benutzen und nicht die Suche.

Steffen: Wir haben auch bei Kunden-Webseiten einige Punkte gefunden, die interessant sind.

Ihr organisiert UX / Usability Meetup Unterfranken, auch eine Folge, dass ihr euch intensiv mit den Themen beschäftigt?

Steffen: Ja, es gab 2016 einen wahren Meetup-Boom in Würzburg, bei dem Meetups aus dem Boden geschossen sind. Wir sahen da auch eine Lücke für UX. Seitdem gab es zahlreiche Veranstaltungen, die gut besucht sind.

Wie kam es zur Idee, 2018 einen eigenen Track auf dem DevCamp zu machen?

„Hey, mich geht das User Experience ja doch was an, das machen ja nicht nur die Grafiker.“

Steffen: Wir wollten schon länger etwas eigenes auf die Beine stellen. Mit dem Developer Camp hat das super zusammengepasst, da Benutzererfahrung auch für Entwickler wichtig ist. Auf dem ersten Developer Camp 2016 hatte ich bereits zwei Sessions zu dem Thema angeboten, Feedback war: „Hey, mich geht das User Experience ja doch was an, das machen ja nicht nur die Grafiker.“ Mit DevCamp.create wollten wir den Blick über den Tellerrand ermöglichen, für beide Seiten. Heißt, für Entwickler etwas „softere“ Themen anzubieten, aber umgekehrt auch Leuten aus dem kreativen Bereich die Chance zu geben, in die Entwicklung reinzugucken und einen Wissensaustausch herzustellen.

Katrin: Am zweiten Tag hatten wir am Vormittag zudem eine Exclusive Design Challenge. Ziel dabei ist es, mal nicht für die breite Masse etwas zu entwickeln, sondern nur für eine einzelne Person.

Was genau habt ihr entwickelt?

Steffen: Das eine war eine Indoor-Navigation für Blinde, die Fragestellung lautete: Wie finde ich mich als Blinder auf dem DevCamp zurecht? Wir haben versucht, die Probleme Stück für Stück abzuarbeiten. Daraus entstand eine Art Guide, den man entweder einnäht oder als Accessoire – Gürtel oder Kette – trägt, der dann Impulse gibt (links, rechts).

Eine unserer Erfahrungen mit der Exclusive Design Challenge: Du bist ganz nah an den Nutzerbedürfnissen dran.

Katrin: Dann hatten wir noch eine Person mit einer haptischen Einschränkung. Bei uns lautete die Fragestellung: Wie kann man mit einer haptischen Einschränkung gut Notizen machen? Wir haben beispielsweise gelernt, dass Anforderungen an Stifte sehr, sehr individuell sind. Eine Überlegung war, einen Stifthalter zu entwickeln, den man sich um den Unterarm schnallen kann. Die „betroffene Person“ meinte daraufhin: „Sorry, brauche ich gar nicht. Ich kann mir den Stift auch einfach zwischen Zeigefinger und den Rest der Hand klemmen. Das ist viel besser, als wenn ich mit dem ganzen Arm schreiben müsste.“

Da bist du ganz nah an den Nutzerbedürfnissen dran. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir das auch mal für bzw. mit Kunden machen.

Was steht demnächst bei euch an? Was habt ihr euch als Nächstes vorgenommen?

Katrin: Auf dem diesjährigen Barcamp auf Mallorca haben zahlreiche Einzelmethoden in verschiedenen Sessions vorgestellt bzw. mit Kollegen ausprobiert, Jobs-to-be-done, Customer Journey Maps, Empathy Maps. Story-Mapping- oder User-Story-Workshops machen wir schon länger. Das alles versuchen wir in Kontext zueinander zu stellen und auch bei Kunden nutzbringend einzusetzen, darüber zu erzählen, Leute abzuholen, weil es nichts Lineares ist, das sich von alleine entwickelt. Wenn wir merken, das passt gerade bei Kundenprojekten optimal, bringen wir das ein, um gerade auch beim Thema Produktentwicklung wertvollen Input zu leisten.

Steffen: Auf Barcamps oder Maydays habe ich auch die Möglichkeit, Workshops/Ideen auszuprobieren, etwa bei Jobs-to-be-done. Hier kriege ich Feedback und kann andere Einflüsse mit aufnehmen. Man kann nicht sagen: Hier hab ich eine Methode, die nehmen wir und dann läuft’s.

Katrin: Generell habe ich das Gefühl, dass die Themen UX/UI bei uns beiden immer größere Kreise zieht, als kleiner und konkreter zu werden.

Bei Requirements ist es sinnvoll ist, nicht nur an den Kunden, sondern vor allem an den Kunden vom Kunden zu denken. Einfach, um zu verhindern, dass man Produkte entwickelt, die kein Mensch braucht oder will.

Steffen: Was man bei all dem nicht vergessen sollte: Der Kunde soll im Mittelpunkt stehen. Gerade als ehemaliger Product Owner muss ich sagen, dass es bei Requirements sogar noch sinnvoller ist, nicht an den Kunden, sondern vor allem an den Kunden vom Kunden zu denken. Einfach, um zu verhindern, dass man Produkte entwickelt, die kein Mensch braucht oder will.

Natürlich lernen wir auch als Mayflower. Nur weil wir Software entwickeln, nerdig sind, arbeiten wir trotzdem mit Menschen zusammen. Auch wir haben eine User bzw. Customer Experience und auch daran können wir arbeiten. Heißt, wie nehmen uns Kunden wahr? Wie können wir das Produkt, in dem Fall unsere Dienstleistung, besser, kundenfreundlicher gestalten?

Katrin: Da fällt auch ein bisschen das Stichwort Service Design Thinking mit rein, was für uns wertvoll sein könnte. Wir haben da schon ganz viele Ideen, die sich jetzt nach und nach konkretisieren.


Falls du Lust hast, mal auf einem unserer zweiwöchentlich stattfindenden Maydays teilzunehmen, gib uns Bescheid. Wir haben nicht nur UX/UI-Themen, sondern beschäftigen uns auch mit Dingen wie Haskell, JavaScript unter Swift auf iOS oder DataVisualisierung.

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