X- und Y-Menschen

(Agiles) / modernes Arbeiten hat viel mit Freiwilligkeit und Vertrauen zu tun. Das Team und dessen Leistungen stehen im Vordergrund, ist aber gleichzeitig darauf angewiesen, dass sich jedes Teammitglied beteiligt. Selbstbestimmtes Arbeiten steht im Mittelpunkt.

Das steht im Widerspruch zum Grundempfinden mancher Führungskräfte und Kollegen, die der Ansicht sind, dass Menschen Kontrolle benötigen und externe Anreize wie Geld und Druck, um so zu funktionieren, wie man es sich vorstellt. 

Doch liegen sie damit richtig?

X- und Y-Menschen

Der Managementprofessor Douglas McGregor vom bekannten Massachusetts Institute of Technology (MIT) sagt „Nein“.

Er bezeichnet dieses „veraltete“ Menschenbild als X-Menschenbild. Diesem Bild zufolge sind Menschen von Natur aus unwillig und faul und müssen angetrieben werden. 

Im Kontrast dazu steht das von McGregor präferierte Y-Menschenbild, nach dem der Mensch engagiert und von Natur aus leistungsbereit ist. Wir wollen etwas leisten.

Wer hat recht? 

Jetzt kann man hier eine philosophische Debatte aufmachen und sich fragen, welches Menschenbild denn nun stimmt. Wie sind wir Menschen – leistungswillig oder faul? Intrinsisch motiviert oder extrinsisch?

Anstatt in dieser wenig hilfreichen Dialektik zu verbleiben, ergibt es mehr Sinn, sich eine andere Frage zu stellen: Spielt es denn eine Rolle? 

Und hier kommt die Wissenschaft zu der erstaunlichen Aussage: „Nein“. Es spielt nicht die geringste Rolle.

Die Regeln des Spiels 

Denn beide Menschenbilder führen zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Gehe ich davon aus, dass meine Mitarbeiter faul sind und Strafen benötigen, werde ich ein System schaffen, dass darauf eingeht. Spannenderweise führen solche Systeme zu wenig motivierten, auf das Geld achtende Mitarbeiter, die sich nicht vertrauen. 

Ein System hingehen, das vom Y-Menschenbild ausgeht und mit Vertrauen, Selbstbestimmtheit und flachen Hierarchien arbeitet, führt im Gegenzug zu motivierten, eigenständigen Mitarbeitern, die leistungswillig sind. 

Das Menschenbild bedingt das System und damit das Ergebnis.

Theorie vs. Praxis

Jetzt höre ich in der Praxis immer wieder den Einwand: „Aber wir haben da einen Kollegen A, der will einfach nicht mitmachen, sondern wartet auf Anweisungen.“

Dazu zwei Gedanken: Erstens hat jedes System seine Grenzen. Und ja, es gibt einzelne Ausnahmen, die aufgrund Ihrer Sozialisierung so in Ihrem X-Verhalten gefestigt sind, dass sie sich schwer ändern lassen. 

Andererseits ist dies sehr selten der Fall. Meist liegt die Ursache für dieses Verhalten woanders und ist häufig in fehlender psychologischer Sicherheit zu finden. Die Akteure haben nicht das Gefühl, Ihre Meinung „schadlos“ äußern zu können und haben dieses Muster verinnerlicht.

Wer mehr über psychologische Sicherheit wissen möchte, kann sich hierzu gerne mein Webinar ansehen:

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