Vom Symfony CMF und Open Source im Allgemeinen

Unser Max ist Core Contributor beim Symfony CMF. Das Content Management Framework bietet Entwicklern die Möglichkeit, sich einzelne Bestandteile eines CMS herauszupicken, ohne ein komplettes Content-Management-System installieren zu müssen.

In dieser einfachen Aussage stecken gleich zwei spannende Themen. Zum einen natürlich das CMF selbst, zum anderen die Frage nach dem Einsatz von Open Source in kommerziellen Projekten einzelner Unternehmen.

Vom Symfony CMF und Open Source

Auf der Spring Edition der International PHP Conference 2017 hatte Max eine Session zum Thema PHPCR, das in engem Zusammenhang mit dem Symfony CMF steht. Das war natürlich die ideale Gelegenheit, um mit ihm über das Projekt und seine Ansichten zum Thema Open Source im Unternehmenseinsatz zu befragen.


Du bist Entwickler bei Mayflower und hast ein Steckenpferd, Symfony CMF, was machst du da genau?

Maximilian Berghoff

Vom Symfony CMF und Open Source im Allgemeinen: Maximilian Berghoff im Interview
Maximilian Berghoff ist Entwickler bei Mayflower und Core Contributor des Symfony CMF.

Maximilian Berghoff: Ich entwickle vor allem am Core-System des Symfony CMF, welches hauptsächlich das sogenannte PHPCR nutzt. Konkret geht es darum, das System weiterzuentwickeln und neue Features zu bauen.

Ich möchte an der Stelle aber gerne noch die Core-Leute hervorheben, die hinter dem Projekt stecken; ich bin nur später dazu gekommen. Das sind Lukas und David von Liip, die das Ganze aufgezogen und den größten Teil des Codes geschrieben haben. Derzeit bin ich zwar der aktivste, auch medial auf Twitter und so, aber das sind die zwei Personen, die es hervorzuheben gilt.

Worum handelt es sich beim PHPCR genau?

PHPCR ist eine Portierung aus der Java-Welt. Dort gibt es mit JCR eine Spezifikation, wie man ein Content Repository aufbaut und wie man ein Interface dafür definiert. Das PHPCR ist ein Interface, das man über Implementierungen benutzen kann, die es inzwischen dafür gibt.

Wie viele Freiheiten hast du als festangestellter Entwickler, der nebenbei noch an einem Open-Source-Projekt mitarbeitet? Fließt da viel aus der alltäglichen Arbeit mit rein?

Bei Mayflower haben wir ja die Slacktime, die ich ausgiebig dafür nutze. Bei Projekten müsste man das immer mit dem Kunden besprechen. Hier bin ich aber der Meinung, dass man dem Kunden verständlich machen sollte, der Open-Source-Welt wieder etwas zurückzugeben, indem man da auch Arbeitszeit reinsteckt und nicht nur nimmt. Das finde ich wichtig.

Kommt das beim Kunden an oder musst du da viel Pionierarbeit leisten und aktiv pushen?

Ich hatte bisher noch nicht das Problem, dass ich das aktiv beim Kunden durchsetzen musste und schwierige Diskussionen dazu hatte. Bislang war es so, dass ich dem Kunden gesagt habe: Wir brauchen das und dann war das okay. Es gab aber auch noch nicht den Fall, dass ich während der regulären Arbeitszeit (während des Projektes) für das Open-Source-Projekt gearbeitet habe.

Hast du das Symfony CMF schon einmal produktiv anwenden können?

Bei Mayflower noch nicht. Privat habe ich es in zwei Projekten schon eingesetzt. Das eine ist ein Kleinstprojekt, die Journalistenseite meines Schwiegervaters, und bei meinem vorherigen Arbeitgeber habe ich mich pilotartig dadurch auch in das Symfony CMF eingearbeitet. Das war meine Anfangsarbeit.

In deinen Worten: Was ist der Benefit deines Projekts?

Für mich als Entwickler liegt der Benefit darin, dass ich kein komplettes CMS installieren und mich dann an dessen Strukturen halten muss, wenn ich es anpassen will. Ich kann wie bei Symfony die Sachen nehmen, die ich brauche und sie benutzen, wie ich möchte. Darin liegt für mich der Vorteil.

Wie sieht es mit der Einarbeitungszeit aus?

Wenn ich ein erfahrener Symfony-Entwickler bin, brauche ich minimale Einarbeitungszeit für Symfony CMF. Wer sich erst noch in Symfony einarbeiten muss, weil er aus der Zend-Welt kommt oder noch nie mit einem Framework gearbeitet hat, braucht dafür entsprechend länger.

Du bist ziemlich umtriebig und fährst schon mal im Urlaub zu einer User Group. Warum tust du das, was ist dein Antrieb?

Mein Antrieb ist es, das Symfony CMF und die Arbeit, die meine Kollegen und ich machen, publik zu machen, das in die Welt rauszutragen. User Groups sind da besonders gut geeignet, weil man da Entwickler trifft. Ich habe auch ein klein wenig die Hoffnung, auf diese Weise auch neue Contributors für unser Projekt zu finden. Wir haben viele Ideen, aber zu wenige Personen, die daran arbeiten oder anders gesagt: Wir haben zur Zeit zu wenige Finger.

Wobei brauchst du bzw. ihr aktuell Unterstützung?

Aktuell müsste gerade nur die Dokumentation umgeschrieben werden. Der Release, den wir eigentlich noch vor Weihnachten 2016 veröffentlichen wollten, war codemäßig dann im Frühjahr fertig. Jetzt gilt es noch, die Dokumentation anzupassen, weil wir ziemlich viel umgezogen haben. Viele Beispiele mussten wir umziehen, umschreiben. Das geschriebene Wort liegt mir leider nicht ganz so, wenn es nicht gerade Code ist.

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Wie viel Open Source verwendest du in deiner täglichen Arbeit?

Das hängt wirklich vom Kunden ab. Es gibt Projekte, da geht es sehr einfach, viel Open Source zu verwenden. Bei anderen gibt es Restriktionen, bei denen festgelegt wurde: Wir nehmen kein Open Source und wenn wir 3rd-Party einbauen, dann müssen wir unbedingt ein Wrapper darum herum bauen. Da habe ich auch schon erlebt, dass damit die eigentliche Funktionalität kaputt gewrapped wurde. Es ist schon gut, etwas zu wrappen, damit man in seiner Applikation etwas Stabiles hat, aber wenn man nichts mehr von dem eigentlichen Framework oder der Library sieht, dann ist natürlich alles kaputt.

Als Contributor, der sehr stark in einem Projekt involviert ist, wie wichtig ist es für dich, dass ein Unternehmen, das Open Source einsetzt, auch etwas zurück gibt?

Ich würde nichts erzwingen wollen. Für mich gehört das zum guten Ton dazu. Das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, wie dass man Bitte und Danke sagt. Es muss eine Balance zwischen Geben und Nehmen gewahrt werden und man zumindest im Hinterkopf behalten, dass dahinter Menschen stehen, die das in ihrer Freizeit entwickelt haben. Gerade Unternehmen, die damit Geld verdienen, sollten sich überlegen, wie viele Menschen hinter dem stehen, was sie da kostenlos nutzen.

Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht wie andere, die sich sehr aktiv für die Community einsetzen und dann nur gebashed werden?

Es passiert ja tagtäglich in der PHP-Community, dass man sich gegenseitig bashed. Man kriegt schon mit, dass Leute aus gewissen Communities rausgehen, weil sie das Zeitinvest nicht mehr leisten können. Bei manchen führen soziale Sachen dazu, dass Leute rausmüssen.

Wenn du dir für die tägliche Projektarbeit etwas wünschen könntest, was wäre das? Mehr Open Source, mehr zurückgeben, mehr Freiheiten?

Nicht unbedingt mehr Open Source, sondern erst mal mehr Verständnis dafür, was Open Source eigentlich bedeutet. Dass es nicht nur ein Nehmen ist, im Sinne ich binde das jetzt in meinem Composer ein und das war’s, sondern dass gerade in den Unternehmen, bei denen das dann eingesetzt wird, ein Verständnis dafür da ist. Es muss nicht immer in Form von Geld sein, vielmehr muss es erst mal im Kopf ankommen. Das wäre mein Wunsch.

Sind Unternehmen dafür bereit?

Im täglichen Umgang merke ich noch nichts davon. Open Source hat ja etwas mit Allgemeingut zu tun, da gibt es ja auch den Allmende-Begriff, der dafür verwendet wird. Die Enterprise-Welt versteht diesen Wert noch nicht wirklich. Es gibt Unternehmen, die bezahlen lieber Geld, als Open Source zu benutzen. Die glauben, ich habe jetzt Geld ausgegeben und dafür Support, Lizenzen, etc. bekommen; ob das besser oder schlechter ist, weiß man nicht.

Du bist viel auf User Groups unterwegs. Wenn du das mal mit einer Konferenz wie der IPC vergleichst, was fällt dir am meisten auf?

User Groups können sehr spezifisch sein, sei es sprachspezifisch oder Framework-spezifisch. Das Publikum ist deshalb auch spezifischer, du kannst in Themen tiefer reingehen als auf einer Konferenz, die sich an ein breiteres Publikum richtet, wie etwa die webinale. Die ist nicht nur PHP-spezifisch, da stehen auch Business-Themen auf dem Programm.

Auf User Groups triffst du mehr Entwickler, die aus Eigeninitiative heraus gekommen sind, die etwas zu einem spezifischen Thema wissen wollen. Auf Konferenzen werden mehr Entwickler hingeschickt, um sich einen groben Überblick über verschiedene Themen zu verschaffen, die dann im Nachgang auf den Prüfstand gestellt werden.

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5 Gedanken zu “Vom Symfony CMF und Open Source im Allgemeinen

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