Ein Team, ein Raum: Denn Projektarbeit braucht mehr als Home-Office

Marissa Meyer von Yahoo ruft alle Heimarbeiter zurück. Und Microsoft lästert darüber. (spiegel.de) – der Kulturkampf um das Home-Office ist wieder entbrannt. Auch auf der Mayflower haben wir in den letzten zehn Jahren viele Formen der Teamarbeit erlebt: verteilte Teams mit häufigen Treffen, virtuelle Teams, Teams verteilt auf mehreren Etagen und Zimmern usw.

In der Zwischenzeit haben wir erkannt, dass die Projektarbeit bei uns am effektivsten ist, wenn das jeweilige Team in einem Raum zusammenarbeitet. Einer der wichtigsten Gründe hierfür ist die hohe Qualität des Informationsaustauschs. Und damit sind nicht nur die bloßen Fakten gemeint – diese ließen sich auch über Mail, Chat etc. verteilen. In komplexen Environments gilt es vor allem, die gesamte Bandbreite der Kommunikation zu nutzen.

Wie wir wissen, werden Botschaften nur zu einem sehr kleinen Teil über den Inhalt vermittelt. Die meisten Informationen stammen aus der Stimme, der Körperhaltung u.a. [Albert Mehrabian: Silent Messages, Wadsworth 1971]. Wenn all diese Botschaften im persönlichen Gespräch zur Verfügung stehen, kann der Vertrauensaufbau in einer Gruppe ungleich schneller erfolgen als in einem virtuellem Team. Differenzen, Fragen, Unklarheiten oder Konflikte erkennt ein Team schneller und kann diese schneller lösen.

Die These des Systemforschers Niklas Luhmanns, dass „Vertrauen ein Mechanismus zur Reduktion sozialer Komplexität“ ist, kann jede Führungskraft leidvoll bestätigen, die beobachten konnte, wie ein Gruppe von Mitarbeitern ohne das nötige Vertrauen zu viel Zeit in Abklärungsprozessen verbrachte, anstatt sich gemeinsam für den Projekterfolg zu engagieren.

Diese Art der Zusammenarbeit klappt natürlich nur, wenn das Team die Vorteile des “Ein Team, ein Raum“ verstanden und eingesehen hat und folgende Umstände gegeben sind:

  • Rückzugsmöglichkeiten sind da und werden genutzt:
    • Wer Ruhe braucht (z.B. um ein Abstract zu schreiben), kann sich Kopfhörer aufsetzen oder in eine Sitzecke verziehen. Auch ein gelegentlicher Home-Office-Tag kann sinnvoll sein, um einen Vortrag vorzubereiten.
    • In Phasen intensiven Austauschs, wie beim Pair Programming oder einer Telefonkonferenz, können Entwickler in einen ruhigen Nebenraum ausweichen.
    • Spontane Meetings wie Brainstorms etc. können im Raum am Whiteboard stattfinden – oder im Konferenzraum nebenan.
  • Das Team kann verschiedene Formen der räumlichen Anordnung ausprobieren und in Retrospektiven Fehler erkennen und verbessern.
  • Eine „osmotische Kommunikation“ dient dazu, möglichst viel Informationen an alle Kollegen zu verteilen.

Darüber hinaus gibt es noch weitere, wichtige Vorteile der gemeinsamen Arbeit. So werden beispielsweise laut einer MIT Studie die meisten Innovationen in spontanen Treffen wie an der Kaffeemaschine oder in der Raucherpause geboren. Das ist mit digitaler Kommunikation nur schwer vorstellbar. (Inzwischen hängt neben jeder Kaffeemaschine ein Whiteboard!)

Wir haben verstanden, daß ein agiles Vorgehen in komplexen Umgebungen dann den besten Erfolg bringt, wenn ein Team möglichst intensiv und vollständig kommunizieren kann. Ein verteiltes Team in Home-Offices wird dies nicht leisten können.

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