Produktvision – Wieso, weshalb … und wie

Die Produktvision ist der Teil in der Produktentwicklung, der oft viel zu kurz kommt. Dabei ist sie essenziell – beschreibt sie doch aus Sicht aller Beteiligten (inklusive der Kund*innen) die Richtung, in die sich das Produkt entwickeln soll. Da der Product Owner für den Erfolg des Produkts verantwortlich ist, erstellt und „owned“ der Product Owner die Produktvision.

In diesem Blogpost möchte euch aufzeigen, warum die Produktvision relevant ist und wie man eine griffige Produktvision schreibt.

Was ist eine Produktvision?

Eine Produktvision ist ein inspirierendes und langfristiges Leitbild für ein Produkt; mit ihr wird ein klares Zielbild für das Produkt formuliert. Die Richtung, in die sich das Produkt entwickeln soll, wird in dieser meist kompakten Formulierung deutlich gemacht.

Abgrenzung zu Product Goal aus Scrum

Im November 2020 wurde im Scrum Guide das Product Goal als Commitment für das Backlog eingeführt. Wie grenzt sich nun das Product Goal von der Produktvision ab?

Meiner Meinung nach sind das Product Goal und die Produktvision nicht das Gleiche. Das Product Goal beschreibt einen zukünftigen Zustand des Produkts, der dem Scrum-Team als Zielvorgabe für die Planung dient. Das Product Goal befindet sich im Product Backlog.

Mehrere nacheinander zu erreichende Product Goals dienen dazu, die Produktvision zu erreichen. Die Product Goals sind also näher an der Strategie, welche die Produktvision Wirklichkeit werden lassen.

Andere Meinungen oder Feedback dazu bitte in den Kommentaren oder Privatnachrichten auf LinkedIn. Ich freue mich auf Austausch und rege Diskussion!

Warum eine Produktvision?

Im Wesentlichen erfüllt eine Produktvision drei Funktionen:

  • Ausrichtungs- und Orientierungsfunktion: Die Produktvision ist der Nordstern. Sie schafft ein gemeinsames Verständnis für die Richtung und unterstützt das Scrum-Team bei der Entscheidung, was und wie (und was nicht) entwickelt werden soll.
  • Identifikationsfunktion: Die Produktvision soll den Mitarbeitern der Organisation den tieferen Sinn und Zweck des eigenen Handelns vermitteln und dadurch das Zugehörigkeitsgefühl stärken.
  • Mobilisierungsfunktion: Die Produktvision regt an, jenes Zukunftsbild zu verfolgen. Eine Produktvision hilft dabei, das Entwicklungsteam, die Stakeholder, Kunden und Nutzer zu motivieren und zu inspirieren.

Zusammengefasst ist eine Produktvision also nicht nur für Strategie und Planung wichtig, sondern auch für ein gut funktionierendes Team!

Wie sieht eine gute Produktvision aus?

Um eine gute Produktvision zu schreiben, kann man sich an den SHIELD-Kriterien orientieren. SHIELD ist ein Akronym und setzt sich aus folgenden Punkten zusammen:

  • S für „Simple“
    Die Produktvision muss einfach zu verstehen sein. Eine klare und präzise Formulierung in einer im Unternehmen gängigen Sprache ist erforderlich.
  • H für „Huge“
    Die Produktvision sollte ein großes und anspruchsvolles Ziel formulieren. Ambitionierte Ziele sind eine wichtige Motivation.
  • I für „Important“
    Das Ziel bzw. die Vision sollten wichtig sein, also ein echtes Bedürfnis ansprechen
  • E für „Engaging“
    Die Vision sollte inspirierend sein und alle Beteiligten einnehmen und mitreißen. Eine gute interne Vermarktung der Vision ist erforderlich.
  • L für „Long Term“
    Eine Vision sollte langfristig ausgerichtet sein.
  • D für „Distributed“
    Die Vision sollte allen Beteiligten bekannt und damit gemeinsam geteilt sein.

Nicht zu vergessen: Eine gute Produktvision erkennt man daran, dass sie im Unternehmen als auch in den Teams bekannt ist und genutzt wird.

Kennt ihr eure Vision?

Wie man sieht, ist die Produktvision relevanter, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Es ist also wichtig, sich die Zeit zu nehmen und an einer Vision zu arbeiten.

Wie bereits erwähnt freue ich mich über eure Erfahrungen und einen intensiven Austausch – vielleicht sogar auf dem kommenden Product Owner Camp.

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2 Gedanken zu “Produktvision – Wieso, weshalb … und wie

  1. Hallo Helen! Vielen Dank für den Beitrag.

    Ich teile Deine Ansicht, auch wenn im neuen Guide das Wort Vision gar nicht vorkommt. Allerdings kommt die Vision sehr nah an das heran, was im EBM Guide als Strategic Goal bezeichnet wird und das Product Goal demnach seine Entsprechung im Intermediate Goal hätte. (Und das Sprint Goal wäre dann das Immediate Tactical Goal.)

    Persönlich mag ich, wenn die Produktvision mit dem Golden Circle von Sinek entwickelt wird.

    Vielleicht magst Du Dich ja mit mir ein wenig darüber auf dem Barcamp austauschen? Freu mich!

    • Hallo Lars, spannend – das klingt gut! Das „Strategic Goal is aspirational“ und das „Intermediate Goal will indicate that the organization is on the path to its Strategic Goal“.
      Ich freu mich aufs PO-Camp! Bis bald!

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