10 Commandments of Egoless Leadership

Die 10 Commandments of Egoless Leadership

Avatar von Johann-Peter Hartmann

In der Softwareentwicklung gibt es die 10 Commandments of egoless programming aus The Psychology of Computer Programming schon lange. 

Das Grundmotiv dieser Gebote ist die Akzeptanz der eigenen Schwächen und Fehler. Bei der Erstellung von Software spielen sie eine so große Rolle, dass wir das ganze mit Test-driven Development sogar zur Arbeitsweise erhoben haben:

Wir beginnen mit dem Test, der mangels Code einen Fehler anzeigt; unser eigentlicher Auftrag ist nur die Reparatur des Fehlers. Unser Normalnull ist also der Fehlerzustand.

Wie steht es um die Führungskraft?

Wenn das schon für das Selbstbild von Softwareentwicklern nicht so einfach ist – Führungspersonen fällt es noch schwerer. Fehlerkultur zu predigen fällt leichter als sie vorzuleben, gerade an der eigenen Person. 

Deshalb schauen wir doch mal, wie sich die 10 Commandments of egoless programming auf die agile Führung auswirken würden. Ich habe mir die Freiheit genommen sie so weit anzupassen, dass sie im Führungskontext funktionieren, ohne ihre Grundintention zu ändern.

1. Verstehe und akzeptiere, dass du Fehler machen wirst

Wer handelt macht Fehler, und gerade in unserer Branche – in der wir oft mit unvollständigem Wissen arbeiten – sind sie unumgänglich. Um so wichtiger ist es, sie frühzeitig zu bemerken. Bevor sie viel Schaden anrichten können.

Glücklicherweise sind sie meistens nicht fatal (abgesehen von den wenigen unter uns, die Raketenleitsoftware entwickeln), also können und sollten wir sie bemerken, korrigieren, darüber lachen und weitermachen.

2. Du bist nicht deine Entscheidungen

Der Sinn von Feedback besteht darin, Probleme und Verbesserungen zu finden. Und glaube mir: Probleme und Verbesserungen werden gefunden werden. Nimm es nicht persönlich, wenn deine Entscheidungen kritisiert und im Feedback als Fehler bezeichnet werden – denn erst damit können wir lernen, verstehen, verbessern und uns weiterentwickeln.

3. Egal wie viele Skills du mitbringst, es gibt immer jemanden, der dich übertrifft

Genau von solchen Leuten können wir die Tricks lernen, die uns noch fehlen. Suche und akzeptiere also Feedback und Input von denen, die anders denken – insbesondere dann, wenn du nicht verstehst warum sie so denken.

4. Ändere keine Regel ohne Rücksprache

Es gibt einen schmalen Grat zwischen „Regeln anpassen“ und „Regeln ändern“. Kenne den Unterschied und adaptiere die Regeln gemeinsam; nicht als Einzelkämpfer, der die anderen nur nachträglich darüber informiert.

5. Behandle Menschen, die weniger wissen, mit Respekt, Ehrerbietung und Geduld

Nicht-Führungskräfte, die regelmäßig mit Führungskräften zu tun haben, sind fast immer der Meinung, dass wir bestenfalls ein Diktator und schlimmstenfalls eine Primadonna sind. Verstärke dieses Stereotyp nicht mit Arroganz und Eitelkeit.

6. Die einzige Konstante auf der Welt ist der Wandel

Sei offen für Veränderung und akzeptiere sie mit einem Lächeln. Betrachte jede Änderung an deinen Herausforderungen, Strategien oder Entscheidung als neue Aufgabe und nicht als ernsthafte Unannehmlichkeiten, die es zu bekämpfen gilt.

7. Die einzig wahre Autorität ergibt sich aus Wissen und Können, nicht aus der Position

Wissen und Können erzeugen Autorität, und Autorität erzeugt Respekt – wenn du also Respekt in einer egolosen Umgebung willst, dann kultiviere Wissen.

8. Kämpfe für das, was du glaubst, aber akzeptiere eine Niederlage mit Demut

Akzeptiere, dass deine Ideen manchmal überstimmt werden. Wenn sich nachher herausstellt, dass du Recht hattest, räche dich nicht und sage nicht mehr als ein paar Mal „Ich habe es euch ja gesagt“. Rechthaberei und Märtyrertum sind keine Führungsqualitäten.

9. Sei nicht „die Person im Chefzimmer“

Sei nicht der Manager im persönlichen Büro, der nur Leute zu Besprechungen dorthin bestellt. Der Typ im Chefzimmer ist außer Reichweite, außer Sicht und außer Kontrolle. Er hat keinen Platz in einer offenen, kollaborativen Umgebung.

10. Kritisiere Entscheidungen und Handlungen anstelle von Menschen – sei freundlich zu der Person, nicht zur Handlung

Formuliere alle deine Kommentare so weit wie möglich positiv und auf die Verbesserung der Arbeit ausgerichtet. Verknüpfe Kommentare mit den lokalen Standards, Interessen von Stakeholdern, gesteigerter Leistung, usw.

Die 10 Commandments of Egoless Leadership

Ich habe den Eindruck, dass das hinter diesen Regeln stehende Weltbild sehr gut in den Kontext agiler Führung passt. Darüber hinaus habe ich ein bisschen das Gefühl, dass der Nachholbedarf in Richtung Demut, Bescheidenheit und Fokus auf das gemeinsame Lernen fast noch etwas größer ist.

Was ist Eure Meinung? Gelten die 10 Commandments auch auf die Aufgaben agiler Führung? 

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