Agile Missverständnisse: Prozesse und Planung

Der PONS definiert agil von lateinisch „agilis“ im Bezug auf Personen als „behände, schnell und gewandt“ im Bezug auf Sachen als „(leicht) beweglich“.

„Agil zu sein“ scheint also etwas mit Anpassungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Beweglichkeit zu tun zu haben. Bezieht man noch die Fokussierung auf und Nähe zum Kunden mit ein, ist man bei dem, was ich unter Agilität verstehe:

„Agil sein bedeutet anpassungsfähig zu sein und sich schnell und proaktiv auf verändernde Kundenbedürfnisse einzustellen.“


Mindset Agil

Selbst wenn man diese Definition nicht teilt und es schwierig ist auf einen Nenner zu kommen, was denn nun genau „agil sein“ bedeutet, möchte ich mit einem Missverständnis aufräumen. Dabei wird agil sein damit verwechselt, dass ich nun machen kann, was ich will. „Ich brauche keine Prozesse und keine Planung mehr. Es ist ein Mindset.“ Das führt dazu, dass man selbst ein grobes Rahmenwerk wie Scrum aufweicht, weil man ja „agil ist“.

Der Trugschluss liegt darin, dass Agilität nicht behauptet, diese Dinge nicht mehr zu brauchen. Viel mehr sind Prozesse und Planungen nun anpassbar, können proaktiv gestaltet werden, damit schnell auf neue Situationen reagiert werden kann. Die „unbekannte Unbekannte“ bereitet keine Angst mehr, sondern man begrüßt sie.

Verzicht ist nicht die Lösung

Um bei Scrum zu bleiben: Ich bewege mich innerhalb des Rahmens und passe beispielsweise meine Retrospektiven oder mein Planning so an wie es mich weiterbringt. Aber ich verzichte nicht darauf. 

Prozesse bleiben also wichtig, ebenso wie Planung. Was sich verändert, ist die Fixierung darauf. Das agile Manifest sagt „Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge“ und nicht „keine Prozesse und Werkzeuge“ mehr.

Scrum, was sich als Rahmenwerk der empirischen Prozesskontrolle bedient, macht Vorgaben und das ist gut so. Diese groben Vorgaben einzuhalten und kein ScrumBut zu praktizieren, ist, was ich unter Agilität verstehe. 

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