Das war die codetalks commerce Special 2016

Vergangene Woche zog es die E-Commerce Gemeinde nach Berlin. Im Cinemaxx Kino der Berliner Kulturbrauerei gab es an zwei Tagen ein spannendes LineUp zu sehen. Ich hatte die Ehre, am Mittwoch einen Vortrag zum Thema „Let’s rock IT“ halten zu dürfen. In dem Vortrag lasse ich mich darüber aus, warum trotz aller Anstrengungen das Agile bei Unternehmen nicht funktioniert und was das mit ihrer Organisation zu tun hat. Die Slides findet Ihr am Ende des Beitrags.

Welche Sessions habe ich mir so angesehen? Lest weiter …

Inside otto.de

Otto war mit zwei Vorträgen präsent und hat dargestellt, wie sie den Weg in eine eigene Entwicklung auf Basis von kleinen, unabhängigen Teams und einer Microservice-Architektur gegangen sind. Ich konnte mir nur den ersten Vortrag „Inside otto.de“  anschauen, der insgesamt sehr spannend war.

Microservices sind dort die Lösung gewesen, um die Gesamt-Anwendung vertikal zu partitionieren und dabei einzelne Funktionalitäten wie zB Warenkorb zu schneiden und in ein unabhängig agierendes Team zu geben, das die Verantwortung für diese Funktionalität trägt.

Dabei sind die Teams völlig frei in der Wahl von Technologien und Datenbank-Systemen. Dies hat sowohl Vor- wie als auch Nachteile. Von Vorteil ist sicherlich Flexibilität und Geschwindigkeit, die die einzelnen Teams dadurch bekommen. Daten-Redundanz werden hierbei in Kauf genommen, was aber angesichts der niedrigen Storage-Preise kein Problem sein sollte. :-)

Damit wenigstens ein bißchen Alignment für die Gesamt-Anwendung da ist, gibt es eine sogenannte Makro-Architektur, in der Grundprinzipien für alle festgehalten werden (zB Single Contained Services, stateless, ReSTfulness etc.). Darüber hinaus gibt es echte Communities of Practice, in der teamübergreifend Leute zusammenkommen, die ähnliche Funktionen oder Themen bekleiden, so dass ein Wissensaustausch durch die Teams gewährleistet ist.

Am Shop arbeiten insgesamt etwa 300 Leute, die „auf der Etage zusammensitzen“. In den Pausengesprächen mit einigen Teilnehmern wurde die hohe Anzahl an Personen hinterfragt und ob das nicht auch mit weniger ginge.

Spannend war auch die Frage eines Zuhörers, ob das nicht von Nachteil sei, wenn man plötzlich beliebige Programmiersprachen und Datenbanksysteme zulassen. Otto sieht dies nicht als Nachteil. Speed und Flexibilität kommt hier zu einem Preis, und natürlich gilt auch hier Amazons Motto „You build it, you run it“. Dh. wenn die Verantwortung beim Team liegt, dann werden sie natürlich nicht leichtsinnig Entscheidungen treffen, sondern schon Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen.

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Metro goes Microservices

Als nächstes habe ich mir den Vortrag von Metro angeschaut, „Metro goes Microservices“. Wie Ihr seht, schien Microservices das beherrschende Hype-Thema dieser Konferenz zu sein. :-)

Referenten waren der CSO/CIO von Metro Cash & Carry, Thomas Storck, sowie der beteiligte Dienstleistungs-Partner, Stefan Richter von freiheit.com. Der Vortrag handelte von der Transition einer großen Projekt-Landschaft bei Metro hin zu einem echten agilen Vorgehen, mit Microservices als wichtige technische Strategie, um Unabhängigkeit, Speed und Flexibilität zu erreichen.

Mein Eindruck: „Endlich mal ein CIO, der den neuen Tech-Shaiz gut versteht und in der Organisation getrieben bekommt“ Wie er schilderte, werden sich wohl die Neuerungen auch auf andere Organisationsbereiche auswirken bzw. dort Einfluss haben.

Zu den „Neuerungen“ gehören auch so Dinge wie Chat-Koordination via Slack, oder Wiki-Systeme. Also alles das, was modernes, teamübergreifenden Austausch, Zusammenarbeit und Koordination ausmacht. Zu sehen hier in diesem Slide:

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arvato zu Welcome Change

In den Vortrag von arvato, zusammen mit seinem Kunden ESPRIT, bin ich erst im letzten Drittel herein gekommen. Titel des Vortrags war „Welcome Change! Scrum, die Lösung für die schnelllebige Entwicklung des Esprit Online-Shops“.

Im Vortrag konnten eher Scrum-Basics mitgenommen werden. Interessant fand ich, dass zum Beispiel beschrieben wurde, dass QAler, die vorher in einer eigenen QA-Abteilung saßen, nun in die Scrum-Teams mit reingenommen wurden. Schöner wäre noch, wenn die QAler echt cross-funktional wären (also auch Software entwickelten) und die Devs auch testen würden – dann könnte das volle Potenzial agiler Software-Entwicklung gehoben werden.

Der Vortrag war durchaus interessant und bot Scrum-Neulingen einige Einblicke. An einigen Stellen merkte man jedoch, dass Bertelsmann-DNA drin steckt. Ich drücke die Daumen für die weitere agile Transition im Unternehmen.

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Diskussionspanel Shop-Systeme

Spryker oder OXID, OXID oder Magento, Magento oder Shopware. Oder darf’s ein bißchen Commercetools sein? Unter der humoristischen Leitung von Johannes Altmann und Lars Jankowfsky gab es ein Diskussionspanel mit Vertretern von OXID, Shopware, Spryker, Commercetools und ScaleCommerce. Dabei wurde mal wieder an der grundsätzlichen Frage „Make or Buy“ diskutiert. Selbstverständlich kamen keine eindeutigen Antworten dabei heraus, jedoch konnten einige gute Einblicke in die Denkweisen der unterschiedlichen Hersteller gegeben werden.

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Pausen- und Abendgespräche

Das Wichtigste an solch einer Konferenz sind natürlich die Pausen- und Abendgespräche. Von denen gab es reichlich. Neben alten Bekannten aus dem E-Commerce Wanderzirkus hatte ich auch Gelegenheit, mich ausführlich mit den Machern von Spryker über Produkt-Strategie, Open Source or not Open Source, skalierbare Geschäftsmodelle, technologischen Wandel und die Anforderungen an IT-Dienstleister (für Spryker) zu unterhalten.

Übrigens, falls Ihr gerade in Auswahl oder Umsetzung eines größeren E-Commerce Projekts seid: wir machen auch Spryker. ;-) Meldet Euch bei mir, falls Ihr technologische Beratung, Auswahl von E-Commerce Plattformen und/oder Umsetzung benötigt.

Modernisierung bei Zalando

Am zweiten Tag konnte ich es mir nicht nehmen lassen und habe auch noch beim Vortrag von Zalando reingeschaut: „How we made our tech organization and architecture converge towards scalability“

Dort lernte ich unter anderem, dass Zalando seinen alten Legacy-Monolithen namens „Jimmy“ modernisierte und hier ebenfalls eine Microservice-Strategie nutzte. Der Vortrag war sehr spannend und erzählte die Geschichte, welchen Weg Zalando hierbei gegangen ist.

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Let’s rock IT

Es ist blöd, etwas über den eigenen Vortrag zu sagen. Daher der Vollständigkeit halber einfach hier die Slides nebst Moderator-Notizen. Das PDF kann direkt bei Slideshare herunter geladen werden, der Vortrag wird regelmäßig aktualisiert:

Microservices – das Allheilmittel?

Fast könnte man auf diesen Gedanken kommen. Doch auch hier heisst es: Vorsicht! Und nicht blind jedem Trend nacheifern. Der Alexander Graf hat bei kassenzone.de einen tollen Blogbeitrag veröffentlicht, der auf die Vor- und Nachteile eingeht: Microservices & Einradfahren.

Fazit

Was bleibt? Die codetalks commerce Special hat sich aus dem Stand einen festen Platz im Konferenz-Kalender erobert. Thematisch spielt sie an der Schnittstelle zwischen IT und E-Commerce und anders als der Name vermuten lässt, ist nicht nur passendes Programm für Entwickler dabei. Insofern freue ich mich schon auf die nächste Ausgabe, von der es hoffentlich eine geben wird!

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4 Gedanken zu “Das war die codetalks commerce Special 2016

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