Von Hummeln und Schmetterlingen – oder: Was ist ein Open Space?

Die klassische Konferenz als Form der Wissensgenerierung wird zunehmend durch Barcamps und Meetups ergänzt, bei denen Wissen durch die Anwendung der „Open-Space“-Methode geteilt wird. Was das konkret bedeutet und wie vorgegangen werden kann, wird an dieser Stelle kurz erklärt.

Open Spaces bieten Raum für einen offenen Austausch zwischen den Teilnehmern. Alle sind dazu eingeladen, ihr Wissen zu teilen und Rückfragen zu stellen. Die Teilnehmer sind dabei meist sehr divers zusammengesetzt, unabhängig von Alter, Rolle, Wissensstand, Hierarchie-Ebene oder Geschlecht. Jeder kann sich darauf einstellen, von neuen Sichtweisen und Erfahrungen überrascht zu werden.

Hinterm Horizont

Open Spaces ermöglichen es einem also, den eigenen Horizont zu erweitern und dadurch einen anderen (und meist offeneren) Blick auf Situationen zu erhalten, was schlussendlich zu einem erweiterten Optionsraum für Ideen und Lösungen führt.

Zusätzlich eröffnet der Austausch gegenseitiges Verständnis für andere Blickwinkel und die Möglichkeit, aus den Erfahrungen anderer Teilnehmer zu lernen.

Thematisch spielt es keine Rolle, ob es um allgemeine bzw. fachliche Punkte oder aber um dringende persönliche Fragen im Bezug auf das Veranstaltungsthema geht. Auch verwandte Themen, welche die Teilnehmer beschäftigen und in die sie Herzblut stecken, sind willkommen.

Prinzipien des Open Space

Diese Themen können sowohl in Form von Vorträgen und Workshops, in denen Wissen geteilt wird, behandelt werden, als auch als Sessions, in denen Meinungen und Sichtweisen von anderen Teilnehmern eingeholt werden (bspw. in Diskussions- oder Frage-Sessions). Lediglich einige wichtige Prinzipien sollten beachtet werden:

Wer kommt, ist die richtige Person.

Die Vielfalt der Menschen bei einem Open Space führt dazu, dass immer die „richtigen“ Personen an einer Session teilnehmen und neue Sichtweisen und Standpunkte mit- und einbringen. Egal wie viele Teilnehmer kommen, sie sind voller Energie und Motivation am Thema.

Was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte.

Diversität und Freiheit führen dazu, dass verrückte und kreative Ideen entstehen und zu einem Perspektivenwechsel führen. Vielleicht sogar genau dann, wenn man am wenigsten damit rechnet!

Es beginnt, wenn die Zeit reif ist.

Um Ideen freien Raum zu geben, passiert der Austausch genau dann, wenn er passiert. Timeboxen sind wichtig, aber nicht immer! Auch außerhalb der geplanten Sessions gibt es inspirierende Momente.

Vorbei ist vorbei – nicht vorbei ist Nicht-vorbei.

Kreativität und Austausch zu Herzensangelegenheiten können nicht erzwungen werden. Genau so wie es einmal länger dauern kann (oder zum ungeplanten Austausch kommt), kann auch es sein, dass Energie und Wortschatz für den Austausch aufgebraucht sind. Das ist total ok!

Ein Gesetz: „Das Gesetz der zwei Füße“

Teilnehmer, die sinnvoll zur aktuellen Session beitragen oder etwas aus ihr lernen können, sind herzlich eingeladen, das zu tun. Wer merkt, dass dies nicht (mehr) möglich ist, darf die Gruppe gerne (eigenverantwortlich und ohne die anderen zu stören) verlassen. Dies geschieht, genau wie Dauer, Einbringen von Themen und Austausch zwischen Sessions: eigenverantwortlich durch die Teilnehmer.

Aus dem Gesetz der zwei Füße folgen die Hummeln und Schmetterlinge.

Im Tierreich bewegen sich Hummeln von Blüte zu Blüte und befruchten sie. Im Open Space verhält es sich analog: Die Hummel-Teilnehmer nehmen an verschiedenen Sessions teil und tragen ihr Wissen und ihre Impulse in die einzelnen Runden und verknüpfen auf diese Weise verschiedene Themenkomplexe.

Der schöne Schmetterling-Teilnehmer fällt in einzelnen Sessions auf und wird zum Magneten für Teilnehmer zwischen den Sessions. Ihn Befragt man zu spezifischen Kontexten, meist ungeplant und so lange es eben dauert.

Ablauf Open Space

Die eingebrachten Themen werden in Form eines gemeinsamen Stundenplans in Zeitabschnitte und Räume aufgeteilt. Dabei kann abgefragt werden, ob und wie viele Menschen Interesse an der Session haben. Je nach Bedarf können kleine oder große Räume zu Durchführung der Session gewählt werden. Bei Überschneidungen und einem sehr großen Angebot an parallelen Sessions können die Teilnehmer über den Zeitpunkt der einzelnen Sessions verhandeln.

Je nach Veranstaltung sind die Slots für die angebotenen Sessions verschieden lang, mit einer anschließenden Pause, um gegebenenfalls den Raum für die nächste Session zu wechseln. 

TL;DR

Open Spaces bieten bei einem überschaubaren Aufwand Raum für einen offenen Austausch zwischen den Teilnehmern – der vor allem durch die Diversität aller Beteiligten enorm an Wert gewinnt. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, an einem Open Space teilzunehmen, solltet ihr diese Gelegenheit nicht auslassen.

Links & Literatur

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Agile und verschlagwortet mit , von Natalie Ramp. Permanenter Link zum Eintrag.

Über Natalie Ramp

Natalie Ramp arbeitet als Scrum Master bei Mayflower GmbH. Sie unterstützt Teams beim Finden und Einsetzen von passenden Prozessen und Methoden um die Zusammenarbeit und die Produktivität zu verbessern. Vor allem fasziniert sie die Vielfalt in Projekten und Teams. Am wichtigsten ist es ihr, die Frage nach dem "Warum?" zu klären, bevor sie gemeinsam mit einem Team Themen voran treibt.

Für neue Blogupdates anmelden:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.