Object Storage ist eine dieser Komponenten, über die man jahrelang nicht nachdenken muss. Bei uns lief dafür in einem Projekt seit Ewigkeiten eine self-hosted MinIO-Instanz, die einfach ihren Job erledigt hat. Bis MinIO angefangen hat, seinen Job umzudefinieren.
Und damit gleich der Spoiler: Wir sind mittlerweile komplett auf RustFS umgezogen, und der eigentliche Cutover war am Ende ein Deployment-Thema, kein Code-Thema. Wie wir da hingekommen sind – und in welche Fallstricke ihr nicht laufen müsst, wenn ihr denselben Weg geht – möchte ich in diesem Artikel erzählen.
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Was ist da bei MinIO eigentlich passiert?
Schauen wir uns die Timeline mal an.
2024 launcht MinIO sein kommerzielles Produkt AIStor. 2025 wird dann die Admin-Console der Community Edition „vereinfacht“; übrig bleibt ein nackter Object Browser. Bucketverwaltung? Userverwaltung? Lifecycle? Monitoring? Alles nur noch in AIStor.
Eine Weile konnte man sich behelfen. Die Community war in Aufruhr, es gab Projekte, die die alte Console am Leben gehalten haben. Ende 2025 kam dann aber der Maintenance Mode, und Anfang 2026 stand„no longer maintained“ im Repo. Keine Binaries mehr, keine Docker-Images, keine Weiterentwicklung.
Für uns als Self-Hoster hieß das: Wir müssen da weg. Cloud-Storage war an dieser Stelle keine Option.
Erst entkoppeln, dann umziehen
Bevor man den Storage tauscht, sollte man aufhören, mit ihm per Du zu sein. Unser Code sprach an vielen Stellen direkt mit MinIO – Config, SDK, Naming, alles. Also haben wir zuerst abstrahiert: ein generischer S3-Adapter hinter feature-eigenen Ports, statt MinIO-Aufrufe quer durch die Codebasis.
Klingt nach Fleißarbeit? War es. Aber diese Fleißarbeit hat den späteren Wechsel von „Operation am offenen Herzen“ auf „Adapter umkonfigurieren“ geschrumpft. Einen Nachfolge-Kandidaten hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon im Blick, aber der musste aber erstmal eine Weile kritisch beäugt werden. Man weiß ja nie, ob aus guten Ideen auch was wird …
RustFS
RustFS ist Mitte 2025 auf GitHub erschienen, ziemlich direkt als Antwort auf die Console-Kastration. Das Projekt macht keinen Hehl daraus, was es sein will: ein Drop-in-Replacement für MinIO; gleiches Deployment-Modell, gleiche S3-API, integrierte Console. Nur eben in Rust und unter Apache 2.0 statt AGPL. Laut eigenen Benchmarks ist es bei kleinen Objekten bis zu 2,3x schneller. Herstellerangabe, klar … aber die Architektur gibt das durchaus her.
Anfang 2026 hat das Projekt von Alpha auf Beta gewechselt. Noch kein Release-Kandidat. Für unsere Zwecke aber stabil genug – mit den Vorsichtsmaßnahmen, zu denen wir gleich kommen.
Parallelbetrieb statt Big Bang
Wir haben RustFS zunächst parallel zu MinIO deployed: eigener Stack, eigene Credentials, gepinnte Image-Versionen, komplett eigenständig provisioniert – Buckets, User, Policies, Lifecycle. Nettes Detail am Rande: Weil RustFS die Console integriert hat, wurden aus drei MinIO-Services zwei RustFS-Services.
Aufgesprungen auf den Zug sind wir dann bei Beta.10.
Der Parallelbetrieb hat sich sofort bezahlt gemacht. Denn dabei kam raus: Es funktioniert alles … außer Webhooks. Das Notify-Subsystem der aktuellen Beta startet schlicht nicht. Der Fix ist upstream schon gemerged, wir warten aufs Release. Bis dahin ist der Pfad bei uns sauber deaktiviert und fürs Reaktivieren markiert, statt ein totes Feature zu provisionieren.
Der Cutover
Als der Parallelbetrieb stabil lief und die Daten drüben waren, kam der eigentliche Schwenk: alle Consumer in einem Release auf RustFS umgestellt, Gateway-Route umgezogen, fertig. Zum Abschluss flog auch noch das minio-SDK aus dem Code; ersetzt durch das AWS client-s3-SDK.
Unsere S3-Schicht ist damit providerneutral: Solange das Backend die S3-Regeln erfüllt, ist ihr egal, wer dahintersteht. Wenn der nächste Storage-Anbieter seine Strategie „umstellt“, zucken wir mit den Schultern und konfigurieren um.
Abschluss
Ich hab es zwar schon erwähnt: RustFS ist noch in Beta; die Verwendung passiert also auf eigene Gefahr! Sie arbeiten fleißig an ihrem ersten Release Candidate, aber der ist wie gesagt noch nicht da.
Falls ihr euch jedoch auch seit Mitte 2025 über MinIO ärgert: Schaut euch RustFS an, werft einen Blick in die Migrations-Doku und erzählt uns gern in den Kommentaren, wie es euch damit ergangen ist.
Nützliche Links
- RustFS auf GitHub
- RustFS-Doku
- Blocks & Files: MinIO users complain after admin UI removed
- GitHub-Discussion: It’s not a feature issue, it’s a trust one



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