Laufradfahren, oder: Wenn aufgebauter Druck blockiert

Mein Sohn hat sich vehement geweigert, vor unserer Tür das Laufradfahren zu üben. Andere, deutlich jüngere Kinder, fuhren schon längst Laufrad. Und an Begabung fehlt es ihm auch nicht. Gut zureden, belohnen oder schlicht befehlen haben wir mehrfach versucht – er wollte einfach nicht. Er war gleichzeitig aber auch nicht bereit, uns zu erklären, warum er nicht üben möchte.

Das gleiche Verhalten kann auch in (agilen) Teams beobachtet werden. Einzelne Teammitglieder blockieren bei Entscheidungen oder Commitments, die das Team benötigt, um voranzukommen. Man kommt dann meist mit normaler Logik, ausdiskutieren oder auch gut zureden nicht weiter.

Druck erhöht den Widerstand

Was steckt hinter diesem Verhalten – warum blockieren Menschen und schalten auf stur?

Bei meinem Sohn hatten wir uns regelrecht festgefahren. Je mehr wir ihm gut zuredeten und versuchten, sein Verhalten unseren Vorstellungen anzupassen, desto mehr blockierte er. Jetzt war guter Rat teuer, denn wir kamen nicht mehr weiter; jedenfalls nicht mit den gewöhnlichen Methoden und Denkansätzen.

In (agilen) Teams gibt es vergleichbare Konstellationen: Das Team baut durch das (versuchte) Erzwingen eines bestimmten Verhaltens Druck auf die Person auf.  Und genau dieser Druck führt dazu, dass sich diese Person dem gewünschten Verhalten immer mehr verwehrt. Die Situation wird mit zunehmender Dauer immer schwieriger – bis der Zugang und eine Lösung des ursprünglichen Problems gar nicht mehr realistisch scheint.

Ändert das Umfeld

Im Fall meines Sohns schilderten wir das Verhalten einer Erzieherin und bekamen einen Tipp, der uns erlaubt hat, das Verhalten aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten: Ändere das Umfeld!

Auch in (agilen) Teams gilt: Wenn das immer gleiche Vorgehen eben nicht den gewünschten Effekt erzielt, ist es dann nicht ratsam, etwas zu ändern?

Und das war die Lösung. Nachdem wir das Laufradtraining auf einen ruhigen Radweg verlagert hatten, war der Knoten geplatzt. Mein Sohn hatte schnell den Dreh raus und wollte gar nicht mehr mit dem Laufradfahren aufhören. Im Anschluß war er auch sogar bereit, uns seine anfängliche Blockadehaltung zu erläutern: Er wollte nicht, dass die Nachbarskinder ihn beim Üben sehen und auslachen.

Denkt an das Agile Manifest

Im Team sieht die Lösung oft ähnlich aus. Anstatt den Druck in erneuten Folgemeetings noch weiter zu erhöhen, sollte man eher einen Schritt zurück gehen und das Umfeld ändern. Das kann z. B. durch einen Wechsel der Location oder durch einen neuen bzw. anderen Personenkreis passieren.

Ein offenes, inoffizielles Gespräch, ohne Teamdruck, mit einem vertrauten Kollegen – vielleicht sogar von ausserhalb der Firma – kann Wunder wirken. Bekommen Menschen diesen Freiraum, sind Sie eher bereit, sich zu öffnen und die wahren Beweggründe preiszugeben. Kennt man die wahren Beweggründe, rückt die Lösung des ursprünglichen Problems ein gutes Stück näher.

Frei nach dem agilen Manifest: „Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge“.

In diesem Sinne, auf gute Zusammenarbeit.

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