E-Commerce Brainfucks: Collinzonbay, äh, About You

Die t3n jubelt schon mal. Was war passiert? Das Projekt Collins hat nach ordentlicher Vorbereitungszeit seinen Schleier als About You gelüftet. Und die hiesige E-Commerce Online Presse (excitingcommerce, etailment mit Zusammenfassung) steht Kopf.

„Wo ist mein Weißwein?“, fragt der zynische Advocatus Diaboli in mir. Bevor ich zur erneuten Tirade, äh, Rede ansetze (man denkt sich jetzt noch das dustere Eck einer fränkisch-konspirativen Weinstube dazu), will ich erst einmal die Gedanken sortieren:

Da hat also Otto, die letzte Bastion im nachkriegsdeutschen Katalog-Geschäft, erneut mal wieder ein Online-Projekt gelaunched, nur diesmal mit dreistelligen Millionen-Beträgen unterfüttert und mit Support von der Otto-Family höchstpersönlich, zeichnet doch Benjamin Otto in der Geschäftsführung mit verantwortlich für das Projekt. Erneut mal? Betrachten wir uns einmal genauer, was da bei About You herauskam und die t3n in ihrem Beitrag schlussfolgerte, dann ist hier von einem Ökosystem die Rede.

Genau, Ökosystem. Da war es wieder. Modernerweise soll man jetzt Äpps in den Shop integrieren können. Damit das ganze so schön fluffig und integriert ist wie der leckere New York Cheesecake, den ich mir gerade in Gedanken vorstelle. Diese Anwendungen oder Integrated Shops sollen dann die ganze Infrastruktur nutzen können, die About You zur Verfügung stellt. Neben der Storefront sind das praktischerweise EOS (Otto) als Payment Service Provider, Yapital (Multi-Channel-Anbieter, ebenfalls Otto), Ratepay (… auch … Otto …), die für ihren phänomenalen Kundenservice bekannte Hermes (… ebenfalls Otto …) und nicht zu vergessen BFS als Fulfilment Dienstleister.

Wie praktisch, dass man alles aus eigenem Hause anbieten kann, und so schlussfolgert t3n, dass der „Krieg der Ökosysteme“ (ich brauch noch nen Wein, um mir das vorstellen zu können) nun begonnen hat.

Hach, wozu das denn? Wenn Otto schlau ist, und das sind sie bestimmt, dann werden sie Amazon nicht nachahmen wollen. Das können sie ausserdem doch gar nicht. Erstens ist Amazon meilenweit voraus, und zweitens ist Amazon ein im Kern datengetriebenes IT-Unternehmen. Wir erinnern uns: Otto – das war das nachkriegsdeutsche Katalog-Dingens, auf der Suche nach der IT-DNA.

Stattdessen werden sie hoffentlich ihren eigenen Weg gehen. Denn das Äpp-Ökosystem ist mehr als der von Amazon bekannte aStore. Mit vernünftiger API, gutem Zugriff auf Daten und Systeme, kann mehr entstehen als das was man bei aStore gewohnt ist. Die konsequente Öffnung an Third Parties und eine – hoffentlich – gute Betreuung der Dritt-Entwickler kann tatsächlich dafür sorgen, dass aus About You mehr wird als ein nur schön anzuschauender Fashion-Shop.

Vielleicht ist About You aber auch erst einmal nur ein Testballon. Während im Hintergrund die Cloud-basierte Infrastruktur mit ihren Schnittstellen ein Ökosystem nach innen wie nach außen bildet, kann getestet werden, ob das Konzept funktioniert. Und wenn es das tut, was spricht denn dagegen, das Ökosystem und die Infrastruktur auch auf andere Konzern-Shops auszurollen?

Wir erinnern uns zurück, dass Otto gerne von Intershop loskommen möchte, hier und da (zB bei sheego, wo wir beraten durften) auf andere Systeme wie OXID eShop zurück greift oder, wie bei Collins äh About You, vermutlich auf bewährte Konzepte (Yii-PHP-Baukasten aus Project A) zurück greift.

So von außen, ohne Internas zu kennen und mal wild zu spekulieren, erinnert mich das ein wenig an das, was ich jüngst im Buch „Decisive“ von Chip & Dan Heath las: Multitracking als Systematik, um bessere Entscheidungen zu treffen. Man nehme aus einer großen Herkules-Aufgabe (zB „Wie kommen wir vom Kataloggeschäft vollends ins Digitale 25. Jahrhundert, ohne dass das Unternehmen und unser Familienvermögen zerbricht?“ – vgl „Die Transformation des Otto Konzerns“) eine vergleichsweise kleine („Mach mal’n Shop, man!“) heraus und lässt diese Aufgabe jeweils (!) von verschiedenen Teams realisieren. Dann sammelt man die neu gewonnenen Informationen/Erkenntnisse und kann besser entscheiden, welche Richtung einzuschlagen ist.

Ja, vielleicht ist About You damit ein weiterer Testballon in Infrastruktur und Ökosystem der Otto-Zukunft.

Ein gut aufgestellter Testballon.

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2 Gedanken zu “E-Commerce Brainfucks: Collinzonbay, äh, About You

  1. Pingback: Exchanges #49: About You, Collins und das Otto der nächsten Generationen « Exciting Commerce

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